Blog · 27.10.2026 · 10 Min. Lesezeit
Fettabsaugung ohne Vollnarkose? Wann die örtliche Betäubung reicht und wann nicht
Örtliche Betäubung, Dämmerschlaf oder Vollnarkose: welche Betäubung bei der Fettabsaugung wann passt, wer die Narkose führt, wie der OP-Tag abläuft und was danach wehtut.
Von Dr. Alex Dumitrescu, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

„Ich möchte eigentlich gar keine Narkose. Geht das auch örtlich?“ Manche Patientinnen stellen diese Frage, bevor wir überhaupt über die Areale gesprochen haben. Oft steckt eine schlechte Erinnerung dahinter, zum Beispiel an das Aufwachen nach einer früheren Operation. Andere möchten von der OP gar nichts mitbekommen.
Die meisten Fettabsaugungen machen wir in örtlicher Betäubung, solange es um einzelne, überschaubare Areale geht, etwa beide Oberarme oder die Unterschenkel. Bei großen Flächen, vernarbtem Gewebe oder einer zusätzlichen Straffung rät Dr. Alex Dumitrescu zur Narkose. Sie führt ein Anästhesist.
Örtliche Betäubung, Dämmerschlaf, Vollnarkose: die drei Wege
| Merkmal | Örtliche Betäubung | Dämmerschlaf | Vollnarkose |
|---|---|---|---|
| Bewusstsein | wach, Sie spüren Druck und Bewegung | dösend, Erinnerung lückenhaft | tiefer Schlaf |
| Atmung | selbstständig | selbstständig, Atemwege ungesichert | gesichert über Larynxmaske oder Beatmungsschlauch |
| Anästhesist dabei | nein | ja | ja |
| Nüchtern kommen | nein | ja | ja |
| Abrechnung | im OP-Preis enthalten | separat nach Dauer | separat nach Dauer |
Die klassische örtliche Betäubung bei der Fettabsaugung heißt Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA). Dabei wird vor dem Absaugen eine verdünnte Betäubungslösung, die Tumeszenzlösung, in das Fettgewebe gegeben, bis es prall gefüllt ist. Abgesaugt wird erst nach einer Einwirkzeit.
Bei der Wasserstrahl-Technik, mit der wir arbeiten, steckt das Betäubungsmittel in der Spüllösung. Der feine Strahl betäubt das Fett und löst es in einem Arbeitsgang, die Flüssigkeit wird gleich wieder abgesaugt. An den wenige Millimeter großen Zugängen braucht es vorher eine kleine Spritze, und nachbetäuben lässt sich während der gesamten Operation.
Für welche Areale die örtliche Betäubung passt
Oberarme, Unterschenkel, Knie, Reiterhosen und Hüften, der Unterbauch oder das Doppelkinn lassen sich gut in örtlicher Betäubung behandeln. Wir planen dabei in Zonen, und ein bis drei benachbarte Zonen sind in einer Sitzung machbar. Vorder- und Innenseite der Oberschenkel samt Knie sind das Höchste, was wir auf einmal örtlich behandeln.
Das Betäubungsmittel ist stark verdünnt, aber nicht unbegrenzt verträglich, und wie viel der Körper verträgt, richtet sich nach dem Gewicht. Für die Lipödem-Liposuktion begrenzt die aktuelle S2k-Leitlinie die Tumeszenzlösung auf zehn Liter und nennt für die gebräuchliche Lösung nach Klein eine Höchstdosis von 45 Milligramm Lidocain pro Kilogramm Körpergewicht (Stand: Oktober 2026). Bei sehr schlanken Frauen ist manchmal schon ein ganzer Oberschenkel zu viel Fläche für eine Sitzung, obwohl dort wenig Fett sitzt.
An den Oberarmen hilft es sogar, wach zu sein, weil sich die Kontur beim Drehen und Anspannen des Arms noch während der Operation prüfen lässt. Auch der Lagewechsel von der Rücken- in die Bauchlage geht im Wachzustand leichter. In Narkose braucht das Umlagern mehrere Hände und ein neues steriles Abdecken, gut eine halbe Stunde. Wach drehen Sie sich in etwa zwei Minuten selbst um.
Wann eine Narkose die bessere Wahl ist
Bei großen Flächen halten wir die Narkose für die schonendere Lösung, etwa bei der Absaugung rundum am Rumpf, an den Oberschenkeln rundum oder an Armen und Rücken zusammen.
Vernarbtes Gewebe spricht ebenfalls für die Narkose. Nach einer früheren Absaugung oder einer anderen Behandlung im selben Areal verteilt sich die Betäubungslösung schlechter, und die Betäubung bleibt lückenhaft. Nach starkem Gewichtsverlust lässt sich das Fett schwerer herauslösen, und der Eingriff wird aufwendiger.
Kommt eine Straffung hinzu, zum Beispiel an den Oberarmen, findet der Eingriff meist in Narkose statt, weil er tiefer greift und länger dauert. Die Bauchdeckenstraffung machen wir ausschließlich so.
Patientinnen, die nichts mitbekommen möchten, Spritzen schlecht vertragen oder nicht lange still liegen können, operieren wir auf Wunsch in Narkose. „Ganz nichts merken heißt Vollnarkose“, sagt Dr. Dumitrescu. In örtlicher Betäubung spüren Sie immer etwas, meist Druck und Zug.
Manches lehnen wir unabhängig von der Betäubung ab. Ein ganzes Bein auf einmal oder Arme und Beine gemeinsam operieren wir auch in Narkose nicht, weil mit jeder zusätzlichen Fläche die Risiken für Thrombose, Nachblutung und Infektion deutlich steigen. Große Wünsche teilen wir auf mehrere Termine mit zwei bis drei Monaten Abstand auf.
Dämmerschlaf oder Vollnarkose: Wo liegt der Unterschied?
Im Dämmerschlaf bekommen Sie über die Vene ein Schlafmittel, meist Propofol, niedriger dosiert als in der Narkose. Sie dösen, erinnern sich hinterher oft nur bruchstückhaft und atmen selbst. In der Vollnarkose schlafen Sie tief. Eine Larynxmaske, also eine kleine Maske im Rachen, oder ein Beatmungsschlauch sichern die Atemwege, und der Anästhesist übernimmt die Atmung.
Der Dämmerschlaf ist bei der Fettabsaugung eine Option. Dr. Dumitrescu rät aber eher zur Vollnarkose oder zur örtlichen Betäubung, weil die Atemwege im Dämmerschlaf ungesichert bleiben und Sie je nach Areal zeitweise auf dem Bauch liegen. Einen Anästhesisten braucht es für Dämmerschlaf und Narkose gleichermaßen.
Aus einer Narkose, die rein über die Vene läuft, wachen die meisten wenige Minuten nach dem Abschalten auf. Am OP-Tag sind viele noch etwas benommen, ab dem nächsten Tag macht die Betäubungsform kaum noch einen Unterschied. Propofol löst zudem seltener Übelkeit aus als Narkosegase. Wenn Ihnen nach früheren Narkosen übel war, sagen Sie es dem Anästhesisten im Vorgespräch.
Wer die Narkose führt
Narkose und Dämmerschlaf übernimmt bei uns immer ein externer Facharzt für Anästhesie, der für Ihren Eingriff in die Praxis kommt. Er kümmert sich ausschließlich um Betäubung, Atmung und Kreislauf, getrennt vom Operateur. So sehen es auch die Qualitätsstandards der Fachverbände für ambulante Narkosen vor.
Vor der Operation ruft der Anästhesist Sie an, fragt nach Vorerkrankungen und Medikamenten und sagt Ihnen, was Sie vorher beachten müssen. Am OP-Tag spricht er noch einmal mit Ihnen.
Der OP-Tag mit örtlicher Betäubung und mit Narkose
Für eine Absaugung in örtlicher Betäubung sind bei gesunden Patientinnen keine Blutwerte nötig, Vorerkrankungen und Medikamente klären wir vorab über einen Fragebogen. Sie kommen etwa eine Stunde vor Beginn, die Areale werden im Stehen angezeichnet, und Sie bekommen ein Schmerzmittel und eine Tablette zur Beruhigung.
Die reine Absaugzeit liegt bei ein bis zwei Stunden. Wir saugen bewusst mit geringer Kraft ab, weil das Gewebe so gleichmäßiger abgetragen wird. Einen Blasenkatheter brauchen Sie dafür meist nicht. Nach dem Eingriff ziehen Sie die Kompressionswäsche an, die Sie in den folgenden Wochen tragen.
Vor einer Narkose oder einem Dämmerschlaf brauchen wir aktuelle Blutwerte, die Blutabnahme ist auch beim Hausarzt möglich. Blutverdünner und eine Abnehmspritze (GLP-1-Präparat wie Semaglutid oder Tirzepatid) pausieren Sie nur nach Absprache mit dem verordnenden Arzt und dem Anästhesisten. Bei der Abnehmspritze sind es meist zwei Wochen vor der Narkose, weil sie die Magenentleerung verzögert. Nach der Operation bleiben Sie rund eine Stunde zur Überwachung.
Lassen Sie sich in jedem Fall abholen, auch nach einer rein örtlichen Betäubung. In den ersten 24 Stunden fahren Sie nicht selbst Auto, unterschreiben keine wichtigen Verträge und sind auch mit Bus, Bahn oder Taxi nicht allein unterwegs. Die Medikamente wirken nach, und der Kreislauf ist oft erst am Morgen danach am wackligsten. Für die erste Nacht sollte jemand bei Ihnen sein. Haben Sie niemanden, können Sie die erste Nacht bei uns dazubuchen.
Schmerzen nach der Fettabsaugung
Wie stark es danach wehtut, hängt vor allem von der Größe des Eingriffs und vom eigenen Empfinden ab, kaum von der Betäubungsform. Am ersten Tag, wenn die örtliche Betäubung nachlässt, brennen die behandelten Zonen ähnlich wie eine Schürfwunde. Danach fühlt es sich eher wie eine Prellung oder ein kräftiger Muskelkater an, bei den meisten rund eine Woche lang, bei manchen kürzer, bei anderen bis zu drei Wochen. Blutergüsse verblassen über einige Wochen.
Für die allermeisten reicht Ibuprofen, das Sie von uns mitbekommen. Es dämpft zugleich die Schwellung. Wie lange Sie es nehmen, besprechen wir vor der Entlassung, und falls es nicht genügt, gibt es stärkere Mittel.
Bettruhe gibt es nach einer Fettabsaugung nicht. Jede Stunde ein paar Minuten zu gehen hilft dem Kreislauf und beugt Thrombosen vor, und in den ersten Tagen sollten Sie reichlich trinken. Den Alltag schaffen die meisten nach wenigen Tagen, eine Bürotätigkeit meist nach etwa einer Woche, nach größeren Eingriffen auch später. Sport ist meist nach drei bis sechs Wochen wieder möglich, je nach Befund. Die Kontrolltermine danach gehören zum Eingriff, und bei Fragen erreichen Sie Dr. Dumitrescu persönlich. Wie Sie die Heilung mit der Ernährung unterstützen, steht im Beitrag Ernährung rund um die OP.
Häufige Fragen
Geht eine Fettabsaugung ohne Vollnarkose?
Ja, bei den meisten kleineren und mittelgroßen Arealen. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie die örtliche Betäubung vertragen, beginnen Sie mit einer kleinen Zone wie den Unterschenkeln oder den Oberarmen. Danach entscheiden Sie, ob die Oberschenkel ebenfalls örtlich oder in Narkose behandelt werden.
Wird bei der örtlichen Betäubung in den Rücken gespritzt?
Nein. Anders als bei einer Periduralanästhesie (PDA) unter der Geburt wird nichts in die Nähe des Rückenmarks gegeben. Das Betäubungsmittel gelangt nur in das Fettgewebe der Zone, die abgesaugt wird, und Ihre Beine können Sie währenddessen normal bewegen.
Was spüre ich bei einer Fettabsaugung in örtlicher Betäubung?
Am deutlichsten die kleinen Spritzen an den Zugängen und die ersten Minuten, in denen sich die Lösung verteilt. Danach beschreiben Patientinnen vor allem Druck, Ziehen und Vibration, manche ein Kribbeln, und einzelne schlafen sogar ein. Bei Bedarf wird nachbetäubt. Bei sehr langen Sitzungen wird das Liegen zum Ende hin anstrengender.
Muss ich für eine Fettabsaugung nüchtern sein?
Nur vor einer Narkose oder einem Dämmerschlaf. Üblich sind sechs Stunden ohne feste Nahrung und klare Flüssigkeit wie Wasser bis etwa zwei Stunden vorher, so empfiehlt es die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Anästhesiologie. Verbindlich ist, was Ihr Anästhesist vorgibt. Vor einer örtlichen Betäubung essen Sie dagegen einige Stunden vorher etwas Leichtes, damit der Kreislauf stabil bleibt.
Was kostet die Narkose bei einer Fettabsaugung?
Das hängt von der Dauer ab. Der Anästhesist rechnet nach Zeit ab, Einschlafen und Aufwachen eingeschlossen, und schickt seine Rechnung nach dem Eingriff. Einen Festbetrag gibt es daher nicht. Eine Einschätzung für Ihren Fall bekommen Sie mit dem Gesamtpreis am Ende der Beratung, die Richtwerte der Absaugung selbst stehen auf der Seite zu den Kosten der Fettabsaugung.
Kann ich mich kurzfristig noch umentscheiden?
Bis zur Terminplanung ja, danach nur mit einem neuen Termin. Narkosen finden an festen Tagen statt, an denen der Anästhesist im Haus ist, und an Tagen mit örtlicher Betäubung ist keiner eingeplant. Ein Wechsel während der Absaugung ist daher nicht möglich.
Ist eine Vollnarkose bei einer Fettabsaugung gefährlich?
Für gesunde Erwachsene gilt eine moderne Narkose als sicher, ganz ohne Risiko ist sie aber nicht. Ihr persönliches Risiko schätzt der Anästhesist im Vorgespräch ein, bei Vorerkrankungen manchmal mit Befunden Ihres Facharztes.
Geht eine Lipödem-OP ohne Vollnarkose?
Ja. Die S2k-Leitlinie zum Lipödem nennt örtliche Betäubung und Vollnarkose als mögliche Wege und empfiehlt lymphschonende Techniken wie die Wasserstrahl- oder die vibrationsassistierte Absaugung. Wir operieren das Lipödem in beiden Varianten. Welche für einen Eingriff passt, hängt wie bei jeder Fettabsaugung vor allem von der Fläche ab. Mehr dazu auf der Seite zur Lipödem-Chirurgie und in den häufigsten Fragen vor einer Lipödem-OP.
Spielt die Betäubung eine Rolle, wenn Eigenfett übertragen wird?
Ein wenig. In Laborversuchen beeinträchtigten örtliche Betäubungsmittel Vorläuferzellen des Fettgewebes. Wie stark das im Körper ins Gewicht fällt, ist nicht geklärt. Dr. Dumitrescu beobachtet, dass nach einer Entnahme in Narkose etwas mehr Fett anwächst. Ein Lipofilling ist dennoch in beiden Varianten möglich, kleinere Mengen etwa an den Hüften übertragen wir häufig in örtlicher Betäubung.
Die Narkosefrage in der Beratung klären
Dr. Dumitrescu sagt Ihnen in der Beratung, wie viele Zonen für eine Sitzung sinnvoll sind und ob er zu örtlicher Betäubung oder Narkose rät. Wovor Sie sich fürchten, etwa vor den Spritzen oder vor dem Aufwachen, sagen Sie am besten gleich zu Beginn.
Einen Beratungstermin in unserer Praxis in Düsseldorf vereinbaren Sie über die Seite Beratung.
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Stand zum Veröffentlichungsdatum (27.10.2026). Regulatorische Vorgaben, Kassenleistungen, Leitlinien und Behandlungsempfehlungen können sich ändern — bitte sprechen Sie Ihren konkreten Fall in der individuellen Beratung mit uns durch.
Geschrieben von
Dr. Alex Dumitrescu
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Düsseldorf. Spezialisiert auf Lipödem-Chirurgie, Körper & Konturierung, Brustchirurgie und Mommy Makeover. Mehr über Dr. Dumitrescu.