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Persönlich

Brust-Revisionschirurgie

Wenn eine frühere Entscheidung neu betrachtet werden darf.

Brust-Revisionschirurgie

Eine zweite Entscheidung — mit Ruhe getroffen.

Eine Brustoperation ist selten ein abgeschlossenes Kapitel. Implantate altern, Gewebe verändert sich über die Jahre, das eigene Körpergefühl wandelt sich — und manchmal stellt sich heraus, dass eine frühere Entscheidung heute anders ausfallen würde. Das ist kein Versäumnis und kein Anlass für Scham. Es ist Teil eines langen Weges mit dem eigenen Körper.

Patientinnen kommen aus sehr unterschiedlichen Gründen zu uns in die Revisionssprechstunde. Manche haben eine Kapselfibrose oder spüren, dass sich das Implantat verändert hat. Andere möchten ein altes Implantat austauschen, bevor es Probleme macht. Wieder andere wollen die Implantate ganz entfernen — sei es wegen körperlicher Beschwerden, die sie damit in Verbindung bringen, oder einfach, weil sie heute eine andere Brust möchten als vor 15 Jahren.

Was alle gemeinsam haben: Sie wünschen sich, dass jemand erst zuhört und dann plant. Genau so gehen wir vor.

Was umfasst die Brust-Revisionschirurgie?

Brust-Revisionschirurgie umfasst alle Eingriffe nach einer vorausgegangenen Brustoperation — Wechsel oder Entfernung von Implantaten, ggf. mit Wiederaufbau aus Eigenfett oder neuen Implantaten. Es ist kein einzelner Eingriff, sondern ein Sammelbegriff für Korrekturen, die je nach Befund und Wunsch sehr unterschiedlich aussehen können.

Drei Szenarien sind besonders häufig. Erstens: der Implantatwechsel — wegen Kapselfibrose, Verformung, Ruptur oder weil ein älterer Implantattyp aktualisiert werden soll. Zweitens: die Implantatentfernung ohne Ersatz — etwa bei BII-bezogenen Anliegen (d.h. man fühlt sich unwohl nach Implantateinbringung) oder weil die Patientin schlicht keine Implantate mehr tragen möchte. Drittens: der Wiederaufbau — mit neuen Implantaten, mit Eigenfett oder mit einer Kombination aus beidem, je nach Hautqualität und Volumenwunsch.

Zur Begrifflichkeit: Wenn von einer En-bloc-Kapsulektomie (Entfernung des Implantats samt umliegender Kapsel als ein Stück) die Rede ist, ist damit die geschlossene Entnahme von Implantat und Bindegewebskapsel gemeint — im Unterschied zur reinen Implantat-Entfernung, bei der die Kapsel im Körper verbleibt oder nur teilweise entfernt wird. Wann welche Variante medizinisch sinnvoll ist, hängt vom Befund ab.

Ein zweiter Begriff, der in Beratungsgesprächen häufig vorkommt: BII (Breast Implant Illness) — Sammelbegriff für unspezifische Beschwerden, die einige Patientinnen mit ihrem Implantat in Verbindung bringen (etwa Erschöpfung, Gelenkbeschwerden, Brain Fog, Hautveränderungen). Die wissenschaftliche Studienlage ist heterogen — eine klar definierte Krankheit liegt aktuell nicht vor. Das heißt nicht, dass die Beschwerden nicht real sind. Es heißt, dass die Datenlage zur Ursache offen ist. Damit gehen wir respektvoll um.

  • Implantatwechsel — bei Kapselfibrose, Verformung, Ruptur oder älterem Implantattyp
  • Implantatentfernung ohne Ersatz — auch als En-bloc-Kapsulektomie auf Wunsch
  • Wiederaufbau mit neuen Implantaten — andere Größe, Form, Hersteller oder Oberfläche
  • Wiederaufbau mit Eigenfett — natürliches Volumen ohne neue Implantate
  • Kombinierter Wiederaufbau — kleineres Implantat plus Eigenfett für weichere Übergänge
  • Sachliche Einordnung von BII-Anliegen und Allergans Rückruf 2019 (texturierte Implantate)

Wer kommt in die Revisionssprechstunde?

Brust-Revisionschirurgie richtet sich an Frauen, die mit ihrer aktuellen Brustsituation nach einer früheren OP nicht mehr zufrieden sind — aus medizinischen oder persönlichen Gründen. Die Ausgangslagen sind so verschieden wie die ursprünglichen Eingriffe. Gemeinsam ist allen: Es lohnt sich, in Ruhe zu beurteilen, was heute der sinnvollste nächste Schritt ist.

  • Frauen mit Kapselfibrose — wenn die Brust härter, druckempfindlich oder asymmetrisch geworden ist
  • Frauen mit einer vermuteten oder bestätigten Implantatruptur
  • Frauen mit älteren Implantaten, die einen Wechsel überlegen
  • Frauen, deren texturierte Allergan-Implantate vom 2019er Rückruf betroffen sind
  • Frauen mit BII-bezogenen Beschwerden, die eine Entfernung in Erwägung ziehen
  • Frauen, die ihre Implantate aus persönlichen Gründen nicht mehr tragen möchten — ohne medizinischen Anlass
  • Frauen, die nach Implantatentfernung einen Wiederaufbau mit Eigenfett wünschen

So gehen wir vor

01

Anamnese & Befundaufnahme

Wir beginnen mit Zuhören. Was war Ihr ursprünglicher Eingriff, was hat sich seitdem verändert, was beschäftigt Sie heute? Bringen Sie — falls vorhanden — alte OP-Berichte, Implantatpässe und bildgebende Befunde mit. Vieles lässt sich auch ohne klären; wichtig ist der heutige Befund, nicht eine vollständige Vorgeschichte.

02

Klinische Untersuchung & Bildgebung

Wir tasten und beurteilen die Brust, achten auf Kapselveränderungen, Asymmetrien, Hautqualität und Implantatlage. Bei Verdacht auf Ruptur oder fortgeschrittene Kapselfibrose veranlassen wir ergänzende Bildgebung (Sonografie, MRT). Erst auf Basis dieses Befunds besprechen wir mögliche Wege.

03

Optionen besprechen — ohne Vorgabe

Je nach Befund gibt es typischerweise mehrere sinnvolle Wege: Wechsel, Entfernung mit oder ohne Ersatz, En-bloc, Wiederaufbau mit Eigenfett. Wir erklären die Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen — nicht, welche Sie wählen sollen, sondern welche Konsequenzen jeder Weg hat. Die Entscheidung treffen Sie.

04

Eingriff & Nachsorge

Der Revisionseingriff erfolgt in Vollnarkose, die Dauer hängt vom Verfahren ab. Eine reine Implantatentfernung ist kürzer als eine En-bloc-Kapsulektomie mit Wiederaufbau. Nach der OP folgen Kompressions-BH, regelmäßige Kontrollen und persönliche Begleitung, bis sich das Ergebnis gesetzt hat. Bei Bedarf — etwa bei geplantem Eigenfett-Aufbau in zwei Schritten — planen wir die Folgeeingriffe gemeinsam mit Ihnen.

Was Sie erwarten können

Ein Revisionseingriff verändert die Brust spürbar. Wie das Ergebnis ausfällt, hängt vom Befund, vom gewählten Verfahren und vom Heilungsverlauf ab — und kann sich, gerade bei Wiederaufbau mit Eigenfett, über mehrere Monate entwickeln.

Was Sie verlässlich erwarten dürfen: eine sachliche Aufklärung über das, was machbar ist und was nicht. Wer mit einer großen Brust nach Implantatentfernung rechnet, ohne Ersatz oder Eigenfett, wird enttäuscht. Wer nach Jahren mit Implantaten ein anderes, persönlicheres Körpergefühl möchte, hat gute Chancen — auch wenn die Brust danach kleiner ist als vorher.

Wir setzen auf Ergebnisse, die zu Ihrer aktuellen Lebenssituation und zu Ihrem Körper passen — nicht auf eine Wiederherstellung des Zustands von vor 15 Jahren.

Häufige Fragen

Wann ist ein Implantatwechsel medizinisch nötig?

Ein Wechsel ist medizinisch indiziert bei symptomatischer Kapselfibrose (Verhärtung, Schmerzen, Verformung), bei einer Implantatruptur und bei Implantattypen, die zurückgerufen wurden — etwa den texturierten Allergan-Implantaten aus dem weltweiten Rückruf 2019. Ein Wechsel aus reinen Vorsorgegründen ist nicht zwingend; viele Implantate halten deutlich länger als die früher kolportierten 10 Jahre. Wann ein Wechsel sinnvoll ist, beurteilen wir am individuellen Befund — nicht am Kalender.

Was ist eine Kapselfibrose und wie erkennt man sie?

Jedes Implantat wird vom Körper mit einer dünnen Bindegewebskapsel umhüllt — das ist normal. Bei der Kapselfibrose verdickt und verhärtet sich diese Kapsel über das normale Maß hinaus und kann das Implantat verformen, die Brust härter werden lassen und Schmerzen verursachen. Klinisch wird die Ausprägung in vier Grade (Baker I–IV) eingeteilt; ab Baker III mit sichtbarer Verformung oder spürbaren Beschwerden ist ein Eingriff in der Regel sinnvoll. Diagnose wird über Tastbefund, Sonografie und ggf. MRT gestellt.

Was ist BII / Breast Implant Illness — und was sagt die aktuelle Studienlage?

BII (Breast Implant Illness) ist ein Sammelbegriff für unspezifische Beschwerden, die einige Patientinnen mit ihren Brustimplantaten in Verbindung bringen — darunter Erschöpfung, Gelenk- und Muskelschmerzen, kognitive Symptome (Brain Fog), Hautveränderungen und Autoimmun-Phänomene. Die wissenschaftliche Studienlage ist heterogen: Eine klar definierte, ursächliche Krankheit liegt aktuell nicht vor — die Symptome lassen sich nicht eindeutig auf das Implantat zurückführen. Beobachtungsstudien zeigen aber, dass viele Patientinnen nach einer Implantatentfernung eine Besserung berichten. Das nehmen wir ernst. Wir versprechen keine Heilung durch Entfernung, aber wir respektieren die Entscheidung — und besprechen offen, was sich zeigen wird und was nicht.

En-bloc-Kapsulektomie — wann sinnvoll und wann nicht?

Bei der En-bloc-Kapsulektomie werden Implantat und die umliegende Bindegewebskapsel als ein zusammenhängendes Stück entfernt. Klar indiziert ist sie bei BIA-ALCL-Verdacht und in bestimmten Fällen mit verkalkter oder stark veränderter Kapsel. Bei BII-Anliegen ist die En-bloc-Variante eine Möglichkeit — verbindlich evidenzbasiert ist sie für diese Indikation nicht. Sie ist anspruchsvoller als eine einfache Entfernung, die OP-Dauer ist länger, das Risiko etwas höher. Wann sie sinnvoll ist und wann eine vereinfachte Variante reicht, hängt vom Befund ab. Das besprechen wir offen.

Kann ich nach Implantatentfernung Eigenfett aufbauen?

Ja — das ist eine häufige Konstellation. Nach Entfernung der Implantate (und ggf. der Kapsel) kann in derselben oder einer späteren Sitzung Eigenfett eingebracht werden, um Volumen zurückzugeben. Pro Sitzung sind etwa ½ bis 1 Körbchengröße realistisch. Ob ein- oder zweistufig vorgegangen wird, hängt vom Befund ab — bei stark veränderter Haut oder ausgeprägter Kapselsituation ist eine zeitliche Trennung oft sinnvoller, damit die Brust zwischen den Schritten heilen kann.

Was bedeutete der Rückruf texturierter Allergan-Implantate 2019?

BIA-ALCL ist ein seltenes Lymphom des Bindegewebes, das im Zusammenhang mit texturierten Implantaten beschrieben wurde. Allergan hat seine texturierten Implantate (Biocell-Oberfläche) im Sommer 2019 weltweit vom Markt genommen — ein Hersteller-Schritt, kein behördlicher Zwangsrückruf. Wenn Sie ein solches Implantat tragen: Es besteht keine pauschale OP-Pflicht. Empfohlen wird eine klinische Kontrolle, bei Auffälligkeiten Bildgebung und ggf. Punktion. Wer aus Sicherheitsbedenken einen Wechsel wünscht, kann ihn planen — das ist eine persönliche Entscheidung, die wir respektieren und sachlich begleiten.

Wie lange halten neue Implantate nach einem Wechsel?

Eine pauschale Haltbarkeitsangabe gibt es nicht. Moderne Implantate halten häufig 15 Jahre oder länger ohne Probleme — entscheidend sind individuelle Faktoren wie Gewebebeschaffenheit, mechanische Belastung und Heilungsverlauf. Wir empfehlen regelmäßige klinische Kontrollen und bei Bedarf Bildgebung. Ein präventiver Wechsel nach festem Zeitintervall ist nicht zwingend — wir wechseln, wenn ein Befund das nahelegt, nicht nach Kalender.

Die auf dieser Seite genannten Methoden, Verläufe und Erholungszeiten sind allgemeine Orientierungswerte. Welches Verfahren bei Ihnen sinnvoll ist und welches Ergebnis individuell zu erwarten ist, lässt sich erst nach persönlicher Untersuchung und ärztlicher Aufklärung beurteilen. Eine Erfolgsgarantie kann es bei ärztlichen Eingriffen nicht geben.

Wir hören erst zu, bevor wir planen.

Bringen Sie alte OP-Berichte mit, falls vorhanden. Vieles lässt sich auch ohne klären — wichtig ist der heutige Befund und was Sie sich heute wünschen.