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Blog · 09.10.2026 · 11 Min. Lesezeit

BIA-ALCL: Lymphom-Risiko bei Brustimplantaten

BIA-ALCL ist ein seltenes Lymphom in der Kapsel um ein Brustimplantat. Sein Risiko hängt an der Oberfläche, auch bei Tropfenimplantaten. Stand Oktober 2026.

Von Dr. Alex Dumitrescu, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Junge Frau sitzt nach dem Lesen ruhig im Erker am Fenster, neben ihr Laptop und Tasse (KI-generiert)

„Ich habe gelesen, dass tropfenförmige Implantate Krebs auslösen können.“ Das war der erste Satz einer Patientin in der Beratung, noch vor jeder Frage zur Größe.

BIA-ALCL, das brustimplantat-assoziierte anaplastische großzellige Lymphom (kurz auch ALCL oder Brustimplantat-Lymphom), ist eine seltene Krebserkrankung von Abwehrzellen. Sie entsteht in der Flüssigkeit oder der Bindegewebskapsel um ein Brustimplantat und ist weder Brustkrebs noch Leukämie. Wie häufig sie auftritt, hängt nach heutiger Datenlage an der Oberfläche des Implantats. Für die Tropfenform selbst ist kein eigenes Risiko belegt.

Was ist BIA-ALCL?

Im Englischen heißt die Erkrankung Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma. Lymphome sind Krebserkrankungen des lymphatischen Systems, also eines Teils der Immunabwehr. BIA-ALCL geht von T-Zellen aus und wächst in der Flüssigkeit um das Implantat oder in der Kapsel, die der Körper um jedes Implantat bildet. Mit Brustkrebs teilt es nur den Ort. Brustkrebs entsteht aus Zellen der Brustdrüse.

Dr. Dumitrescu spricht die Erkrankung in der Implantatberatung von sich aus an. Gemeint ist dabei immer die Hülle des Implantats. Auf die Füllung kommt es dabei nicht an, beschrieben ist die Erkrankung bei silikon- wie bei kochsalzgefüllten Implantaten.

Wie häufig BIA-ALCL bei Brustimplantaten ist

BIA-ALCL ist selten. Für Frauen mit texturierten Implantaten nennen große Auswertungen etwa 1 Fall auf 3.300 bis 3.500, über alle Implantate je nach Quelle 1 auf 7.000 bis 15.000. Die Werte messen Verschiedenes, mal pro Frau, mal pro Jahr, mal pro verkauftem Implantat, und sie hängen davon ab, wie lange nachbeobachtet wurde und wie gründlich ein Land Fälle erfasst. Grob vergleichen lassen sie sich trotzdem:

DatengrundlageGruppeErgebnis
Übersicht über 38 Studien (2025)Frauen mit texturierten Implantaten1 von 3.274
Dänemark, landesweite Kohorte, 10.339 Frauen, rund 17 Jahre beobachtet (2026)kosmetisch, texturiert, nach 10 Jahren1 von 3.534
Niederlande, landesweites Pathologieregister (2018)alle Implantate, bis zum 75. Lebensjahr1 von 6.920
Großbritannien, Arzneimittelbehörde MHRA (Daten bis Ende 2024)pro verkauftem Implantat oder Gewebeexpander1 von 12.187
Italien, Register des Gesundheitsministeriums (2025)alle Implantate, pro Jahr2,7 bis 6,4 Fälle pro 100.000 Frauen
Übersicht über 38 Studien (2025)Frauen mit Implantaten jeder Art1 von 14.925
USA, Krebszentrum in New York (2020)Brustwiederaufbau, texturierte Implantate1 von 559

BIA-ALCL · Zahlen aus mehreren Ländern

Wie häufig BIA-ALCL ist: Studien und Register im Vergleich

Die Länge jedes Streifens zeigt, auf wie viele Frauen (in Großbritannien: Implantate) ein Fall kommt. Je länger der Streifen, desto seltener. Die Werte unterscheiden sich, weil die untersuchten Gruppen, die Beobachtungszeit und die Meldewege verschieden sind.

USA, Krebszentrum New York, Brustwiederaufbau, texturierte Implantate: 1 von 559; Übersicht über 38 Studien, Frauen mit texturierten Implantaten: 1 von 3.274; Dänemark, landesweite Kohorte, kosmetisch, texturiert, nach 10 Jahren: 1 von 3.534; Niederlande, Pathologieregister, alle Implantate, bis zum 75. Lebensjahr: 1 von 6.920; Großbritannien, Behörde MHRA, pro verkauftem Implantat oder Expander: 1 von 12.187; Deutschland, eigene Schätzung, 82 Fälle bei rund 1 Mio. Trägerinnen: etwa 1 von 13.000; Übersicht über 38 Studien, Frauen mit Implantaten jeder Art: 1 von 14.925

ein FallFrauen pro einem Fall
Pro Frau, außer Großbritannien (pro verkauftem Implantat oder Expander). Deutschland: eigene Schätzung, weil es keine amtliche Zahl der Implantatträgerinnen gibt. Quellen: Ward 2025 (Plast Reconstr Surg), Kalstrup 2026 (Breast), de Boer 2018 (JAMA Oncol), Nelson 2020 (Ann Surg), MHRA 2025, BfArM 2026.

Italiens Wert ist eine Jahresrate und lässt sich mit den übrigen nicht direkt vergleichen.

Höher liegen die Werte nach einem Brustwiederaufbau. Ein New Yorker Krebszentrum hat über 9.300 Frauen aus 26 Jahren ausgewertet, gut 6.100 von ihnen mit texturierten Implantaten. Alle elf Erkrankten hatten grob texturierte Implantate getragen. In den ersten sechs Jahren nach der Operation trat kein Fall auf. Danach stieg die Häufigkeit stetig, auf etwa 4 von 1.000 Frauen nach zehn bis zwölf Jahren. Solche Werte gelten für diese ausgewählte Gruppe und lassen sich nicht auf jede Brustvergrößerung übertragen.

BIA-ALCL · 10.000 Frauen

Was ‚1 von 3.274‘ bedeutet

Stellen Sie sich 10.000 Frauen mit texturierten Implantaten vor, jede ein Punkt. Bei 1 von 3.274 sind darunter statistisch etwa 3 Fälle.

10.000 Frauen mit texturierten Implantaten: etwa 3 FälleRaster aus 10.000 Punkten, jeder Punkt eine Frau mit texturierten Implantaten. Bei einem Risiko von 1 von 3.274 sind darunter statistisch etwa 3 Fälle, hervorgehoben in Bordeaux. Umgerechnet auf 10.000 Frauen: texturierte Implantate etwa 3,1, Implantate jeder Art etwa 0,7, nur glatte Implantate: kein bestätigter Fall in nationalen Daten.

Umgerechnet auf 10.000 Frauen

Texturierte Implantate
≈ 3,1
Implantate jeder Art
≈ 0,7
Nur glatte Implantate
kein bestätigter Fall in nationalen Daten
Quelle: Ward JA et al., Plastic and Reconstructive Surgery 2025, systematische Übersicht über 38 Studien.

Gemeldete Fälle in Deutschland und anderen Ländern

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegen 82 histologisch bestätigte Fälle aus Deutschland vor (Stand: Juni 2026). Im September 2021 waren es 30. Andere Länder zählen ähnlich:

LandGemeldete, bestätigte FälleStand
Deutschland (BfArM)82Juni 2026
Frankreich (ANSM)121Ende 2024
Großbritannien (MHRA)114 nach Operationen im Land, 6 nach Operationen im AuslandEnde 2024
Italien (Gesundheitsministerium)111Juni 2024
Spanien (AEMPS)111, bei 146 VerdachtsfällenEnde 2025
Niederlande (landesweite Studie)912023
Kanada (Health Canada)80, dazu 34 VerdachtsfälleEnde 2025
Schweiz (Swissmedic)21Juli 2024
Weltweit, Meldungen an die US-Behörde FDA1.380Juni 2024

Das sind gemeldete Fälle. Wie viele Implantate im selben Zeitraum eingesetzt wurden, weiß in den meisten Ländern niemand genau, und ohne diese Bezugsgröße lässt sich aus einer Fallzahl kein Risiko ablesen. Hinzu kommt, dass Länder unterschiedlich gründlich erfassen und melden. Alle Angaben der Form „1 von X“ in diesem Beitrag sind deshalb Schätzungen auf dem Stand von heute. Endgültige Zahlen gibt es noch nicht.

Für Deutschland lässt sich die Zahl der Trägerinnen nur schätzen, eine amtliche Statistik gibt es nicht. Eine europäische Vergleichsstudie hat deshalb angenommen, dass etwa 3 Prozent der Frauen über 15 Jahren Implantate tragen, in Anlehnung an Schätzungen aus den Niederlanden. Für Deutschland wären das knapp 1,1 Millionen Frauen. Hinzu kommen jedes Jahr etwa 70.000 Brustvergrößerungen, nach den Zahlen der internationalen Fachgesellschaft ISAPS. 82 Fälle bei knapp 1,1 Millionen Trägerinnen ergeben etwa 1 von 13.000. Bei angenommenen 0,5 bis 1,5 Millionen Trägerinnen läge der Wert zwischen etwa 1 von 6.000 und 1 von 18.000. Diese Rechnung stammt von uns.

Wahrscheinlich unterschätzt sie das Risiko. Gemessen an der Einwohnerzahl meldet Deutschland etwa fünfmal weniger Fälle als die Niederlande, wo Lymphome landesweit über ein Pathologieregister erfasst werden. Viele Implantate werden außerdem noch nicht so lange getragen, wie die Erkrankung im Mittel braucht. Gegenläufig wirkt, dass die 82 Fälle eine Summe seit Beginn der Erfassung sind, auch Frauen mit inzwischen entfernten Implantaten zählen mit. Dass die Zahl Jahr für Jahr wächst, liegt an dieser Summierung, an längeren Tragezeiten und an mehr Aufmerksamkeit in Praxen und Kliniken.

Welche Rolle die Oberfläche spielt

In allen nationalen Datensätzen betrifft die große Mehrheit der Fälle texturierte Implantate. In Frankreich waren es bei der Diagnose 86 Prozent. In Großbritannien waren von 64 zuordenbaren Fällen 62 texturiert und einer polyurethanbeschichtet, bei einem war die Oberfläche unbekannt. Fälle mit ausschließlich glatten Implantaten sind in keinem dieser Register bestätigt. Unter den weltweit 1.380 Meldungen an die US-Behörde FDA ist es genau ein Fall, und auch bei ihm ist die Vorgeschichte nur teilweise bekannt. Sehr fein strukturierte, sogenannte nanotexturierte Hüllen gelten nach der Norm ISO 14607 als glatt. Daten über viele Jahre Tragezeit gibt es für sie noch nicht.

Unter den texturierten Oberflächen sprechen die meisten Auswertungen für ein deutlich niedrigeres Risiko feiner Mikrotextur gegenüber grober Makrotextur. Das dänische Register fand bei nur fünf Fällen keinen sicheren Unterschied zwischen den Texturen und hält fest, dass keine texturierte Oberfläche ohne Risiko ist. Die Norm ISO 14607 in der Fassung von 2018 teilt die Hüllen nach ihrer mittleren Rauigkeit ein: glatt unter 10, mikrotexturiert 10 bis 50, makrotexturiert über 50 Mikrometer.

Warum eine raue Hülle das Risiko erhöht, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine dauerhafte leichte Entzündung an der Oberfläche, ein Bakterienfilm auf der Hülle und eine Veranlagung der betroffenen Frau. Nach Einschätzung des EU-Expertengremiums SCHEER entsteht die Erkrankung ohne texturierte Oberfläche kaum, die Textur allein reicht aber nicht aus. Es müssen weitere Faktoren hinzukommen, deshalb erkrankt auch von den Trägerinnen texturierter Implantate nur ein sehr kleiner Teil.

Sind Tropfenimplantate riskanter als runde?

Tropfenförmige, also anatomische Implantate sind nach heutiger Datenlage nicht riskanter als runde. Es gibt sie auch mit feiner Mikrotextur. Meist sind sie texturiert, damit sie im Gewebe haften und sich nicht drehen. Ein verdrehtes Tropfenimplantat würde die Brustform sichtbar verändern. Die grob texturierten Implantate, die mit den meisten Fällen weltweit in Verbindung stehen, gab es auch in Tropfenform. In der EU wurden sie im Dezember 2018 vom Markt genommen, im Juli 2019 rief der Hersteller Allergan sie weltweit zurück.

Ein rundes glattes und ein tropfenförmiges texturiertes Brustimplantat nebeneinander auf hellem Leinen (KI-generiert)
Rund oder tropfenförmig beschreibt die Form. Ob eine Hülle glatt, mikro- oder makrotexturiert ist, ist eine zweite, eigene Eigenschaft.

Uns ist keine Studie bekannt, die das Risiko der Form getrennt von dem der Oberfläche gemessen hat. Die vorhandenen Daten ordnen das Risiko aber durchgehend den Oberflächen zu, und nichts spricht dafür, dass die Tropfenform selbst etwas hinzufügt.

Eine feinere Hülle haftet weniger im Gewebe. Wie stabil mikrotexturierte Tropfenimplantate liegen, ist erst in kleinen Serien untersucht, überwiegend nach einem Brustwiederaufbau. In einer französischen Serie mit 100 Patientinnen drehte sich das Implantat bei vier von ihnen, beobachtet über im Mittel 15,5 Monate. Die Serie wurde von einem Implantathersteller unterstützt. Ob ein Tropfenimplantat in Position bleibt, hängt deshalb stark an einer passgenauen Implantattasche.

Bei uns überwiegen runde, weiche Implantate mit mikro- oder nanotexturierter Hülle. Sie wachsen kaum ein, deshalb setzen wir sie komplett unter den Muskel und stützen sie zusätzlich seitlich und von unten. Eine Tropfenform erwägt Dr. Dumitrescu, wenn der Befund dafür spricht: bei einer tubulären Brust, der im unteren Teil Volumen fehlt, bei einer leicht hängenden Brust, wenn keine Straffung gewünscht ist, bei einem breiten Brustkorb oder bei einer Korrekturoperation. Ohne einen solchen Befund schlägt er in der Regel ein rundes Implantat vor.

Texturierte Implantate vorsorglich entfernen?

Ohne Beschwerden müssen texturierte Implantate nicht vorsorglich entfernt werden. Die US-Behörde FDA, das EU-Expertengremium SCHEER und die australische TGA empfehlen das nicht, das BfArM rät, die Frage im Arztgespräch individuell abzuwägen. Das gilt auch für die zurückgerufenen Modelle, denn zurückgerufen wurden unbenutzte Implantate im Handel. Eine US-Expertengruppe hält die vorsorgliche Entfernung grob texturierter Implantate für vertretbar. Eine europäische Gruppe sieht die vollständige Kapselentfernung als mögliche risikosenkende Maßnahme, je nach Wunsch der Patientin und ärztlicher Einschätzung. Dass eine Entfernung das Risiko senkt, ist durch kontrollierte Daten nicht belegt, und sie hat eigene Operations- und Narkoserisiken.

Wie aufwendig eine Entfernung wäre, hängt von der Lage ab. Über dem Muskel lassen sich Implantat und Kapsel meist gut gemeinsam entfernen. Unter dem Muskel haftet die Kapsel teils direkt an den Rippen, und sie dort vollständig abzulösen, kann Rippenfell und Lunge gefährden. Für eine reine Vorsorge steht das nach Dr. Dumitrescus Einschätzung nicht im Verhältnis, deshalb rät er dort von einer radikalen Kapselentfernung ohne Befund ab. Bei bestätigtem BIA-ALCL ist sie dagegen auch unter dem Muskel notwendig.

Bleibt die Sorge, wechseln oder entfernen wir die Implantate auf Wunsch. Eine glattere Hülle wächst allerdings kaum ein und braucht dafür eine gut stützende Tasche. Ohne Implantat ist eine Brustvergrößerung mit Eigenfett möglich. Den Ablauf eines Wechsels beschreibt die Seite Brust-Revision.

Polyurethan-Implantate: was die Daten hergeben

Polyurethanbeschichtete Implantate wachsen fest ins Gewebe ein. Eine Risikozahl gibt es für sie bisher nur aus Australien, und sie betrifft ein einziges Fabrikat: Dort kam ein Fall auf rund 1.950 verkaufte Implantate. Für dasselbe Fabrikat meldet die britische Arzneimittelbehörde einen Fall bei 22.711 verkauften Implantaten. Beide Zahlen haben Schwächen. Die australische stammt aus einem einzigen Land mit besonders gründlicher Erfassung, die britische beruht auf freiwilligen Meldungen und einem einzigen Fall. In Australien stehen diese Implantate seit 2016 nicht mehr im Register. Vorausgegangen war eine Aussetzung aller Produkte des Herstellers nach Verunreinigungen im Werk, BIA-ALCL nennt die Behörde dabei nicht als Grund.

In Australien waren 22 von 107 Fällen polyurethanbeschichtet, in der EU und Großbritannien zusammen bis 2020 zwölf. Die europäischen Zahlen sind klein, auch weil Polyurethan dort selten verwendet wurde, in Frankreich etwa bei 2 bis 3 Prozent der Implantate. Frankreich hat 2019 die Polyurethan-Implantate eines Herstellers vom Markt genommen. In den Niederlanden riet die Fachgesellschaft damals vorläufig zur Zurückhaltung, Spanien ist dem Verbot nicht gefolgt, und in Deutschland gibt es keine eigene Maßnahme zu Polyurethan. Nach der Norm ISO 14607 zählt eine Polyurethan-Beschichtung zu den groben Oberflächen.

Dr. Dumitrescu ist in seiner Praxis kein Fall bei Polyurethan-Implantaten bekannt. Bei einer so seltenen Erkrankung mit langer Vorlaufzeit sagt die Erfahrung einer einzelnen Praxis allerdings wenig aus, in beide Richtungen. Ob die heutigen Polyurethan-Implantate seltener betroffen sind als ältere, lässt sich noch nicht sagen, weil sie für eine Erkrankung, die im Mittel nach acht Jahren auftritt, zu kurz auf dem Markt sind. Wir setzen Polyurethan gezielt ein, etwa bei schwerem oder sehr lockerem Gewebe, bei Korrekturoperationen oder wenn ein Implantat über dem Muskel liegen soll, und besprechen diese Datenlage vorher offen. Wer Polyurethan-Implantate ohne Beschwerden trägt, braucht keine Operation, kann sich aber für eine Entfernung entscheiden. Das EU-Expertengremium SCHEER erwähnt diesen Wunsch gerade für solche Implantate ausdrücklich.

Ein Spätserom ist meist das erste Zeichen

Das häufigste erste Zeichen von BIA-ALCL ist ein Spätserom, also Flüssigkeit um das Implantat, die frühestens ein Jahr nach der Operation auftritt. Im Mittel zeigt sich die Erkrankung etwa acht Jahre nach der Operation, einzelne Fälle deutlich früher oder später. Typische Warnzeichen sind:

  • eine Brust schwillt ohne erkennbaren Anlass an
  • ein Spannungsgefühl oder Schmerzen in dieser Brust
  • ein tastbarer Knoten an der Implantatkapsel

In den Meldungen an die FDA war ein Serom bei 48 Prozent der Fälle beschrieben, eine Schwellung oder Schmerzen bei 27 Prozent, ein Knoten bei 11 Prozent und eine Verhärtung der Kapsel bei 14 Prozent. Eine Verhärtung der Brust ist allerdings weit öfter eine Kapselfibrose, bei der sich die Kapsel zusammenzieht, als ein Lymphom.

Längst nicht jedes Spätserom ist ein Lymphom. Auch ein Reizerguss oder ein alter Bluterguss sammelt sich als Flüssigkeit um das Implantat. Am Anfang steht der Ultraschall. Findet er Flüssigkeit, punktieren wir sie gezielt und lassen sie im Labor untersuchen, unter dem Mikroskop und auf die Merkmale CD30 und ALK. BIA-ALCL ist CD30-positiv und ALK-negativ. Eine Mammografie trägt zu dieser Frage nichts bei.

Bei uns liegt der Laborbefund nach wenigen Tagen vor. Bei einem harmlosen Befund reicht oft ein kleiner Eingriff, und die Kapsel kann bleiben. Bei einem verdächtigen Befund folgen die Sicherung der Diagnose und die Suche nach einer Ausbreitung. Die Behandlung planen wir dann gemeinsam mit einem onkologischen Zentrum.

Behandlung und Aussichten

Bei bestätigtem BIA-ALCL werden Implantat und gesamte Kapsel in einem Stück entfernt, ohne die Kapsel zu eröffnen (Kapsulektomie en bloc). Das gilt auch, wenn das Implantat unter dem Muskel liegt. Dann wird die Kapsel auch dort vollständig von den Rippen gelöst. Bei einseitigem Befund wird in der Regel auch die Gegenseite entfernt, weil vereinzelt beide Seiten betroffen waren. Solange die Erkrankung auf die Kapsel begrenzt ist, braucht es meist keine Chemotherapie. In einer Auswertung des MD Anderson Cancer Center in Houston ging es Patientinnen nach vollständiger Entfernung samt Kapsel besser als nach Teilentfernung, Chemotherapie oder Bestrahlung.

Zwei Drittel bis knapp neun von zehn Fällen werden im Stadium I entdeckt, solange die Erkrankung örtlich begrenzt ist. In einer niederländischen Bevölkerungsstudie überlebten 98 Prozent der Patientinnen im Stadium I die ersten zwei Jahre. Über alle Stadien hinweg überlebten im italienischen Register 98,2 Prozent die ersten drei Jahre, in der älteren Auswertung aus Houston 89 Prozent die ersten fünf.

In seltenen Fällen verläuft BIA-ALCL tödlich, unter den 1.380 Meldungen an die FDA sind 64 Todesfälle. Eine Sterblichkeitsrate lässt sich daraus nicht ableiten, weil die Meldungen freiwillig und oft unvollständig sind. Deutlich schlechter sind die Aussichten, wenn sich die Erkrankung über die Kapsel hinaus ausgebreitet hat. Eine einseitige Schwellung Jahre nach der Operation gehört deshalb zeitnah in den Ultraschall.

Was das für Ihre Entscheidung heißt

Vor einer Brustvergrößerung lohnt die Frage, welche Oberfläche das vorgesehene Implantat hat und warum sie zu Ihrer Brust passt. Ein Tropfenimplantat kommt infrage, wenn Ihr Befund dafür spricht. Dann zählen die Oberfläche und der Halt in der Tasche.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie vor einer Brustvergrößerung stehen und die Tropfenform für Sie infrage kommt, zeigt Ihnen Dr. Dumitrescu in unserer Praxis in Düsseldorf beide Formen im Vergleich und sagt Ihnen, welche Hülle er für Ihren Befund wählen würde und mit welcher Risikozahl sie verbunden ist. Mehr zu Formen, Größen und Lage lesen Sie auf der Seite Brustvergrößerung, zur Tropfenform bei unterentwickelter Brust im Beitrag zur tubulären Brust.

Wenn Sie bereits texturierte Implantate tragen, bringen Sie zum Beratungstermin den Implantatpass und, falls vorhanden, den OP-Bericht mit. Auswärts eingesetzte Implantate schätzen wir auch im Rahmen einer ärztlichen Zweitmeinung ein. Den Termin vereinbaren Sie telefonisch oder per WhatsApp.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Krebsrisiko bei Brustimplantaten?

Gemeint ist meist BIA-ALCL, ein seltenes Lymphom in der Kapsel um das Implantat. Bei texturierten Implantaten erkrankt nach einer Übersicht über 38 Studien etwa eine von 3.300 Frauen, über alle Implantate etwa eine von 15.000.

Gibt es BIA-ALCL auch bei glatten Implantaten?

Bei ausschließlich glatten Implantaten ist BIA-ALCL bisher kaum beschrieben. Unter den 1.380 Meldungen der FDA betreffen 40 Fälle glatte Implantate. Nur bei einem davon sind ausschließlich glatte Implantate dokumentiert, die übrigen hatten früher texturierte Implantate oder eine unklare Vorgeschichte. Im August 2026 erschien ein weiterer Einzelfallbericht, den noch keine Fachgesellschaft bewertet hat.

Welche Allergan-Implantate wurden zurückgerufen?

Betroffen waren die makrotexturierten Biocell-Implantate und Gewebeexpander von Allergan, runde wie tropfenförmige. Glatte Implantate desselben Herstellers waren ausgenommen. Ob Sie ein solches Implantat tragen, zeigt der Implantatpass.

Woher weiß ich, welche Oberfläche meine Implantate haben?

Aus dem Implantatpass, den Sie nach der Operation erhalten haben. Darin stehen Hersteller, Modell und Seriennummer, und über das Modell lässt sich die Oberfläche eindeutig zuordnen. Fehlt der Pass, helfen der OP-Bericht oder die Klinik, die damals operiert hat.

Wie oft sollte ich Implantate kontrollieren lassen?

Eine eigene Untersuchung nur wegen BIA-ALCL braucht es ohne Beschwerden nicht. Für Implantate allgemein empfiehlt das BfArM eine jährliche fachärztliche Nachsorge mit Ultraschall, die sich gut mit der jährlichen Vorsorge in der Frauenarztpraxis verbinden lässt. Eine einseitige Schwellung Jahre nach der Operation lassen Sie unabhängig davon zeitnah abklären.

Gibt es noch andere Tumoren an der Implantatkapsel?

Ja, sehr selten. In der Fachliteratur waren bis 2023 19 Fälle eines Plattenepithelkarzinoms in der Kapsel (BIA-SCC) beschrieben, dazu verschiedene andere Lymphome, bei glatten wie bei texturierten Implantaten.

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Stand zum Veröffentlichungsdatum (09.10.2026). Regulatorische Vorgaben, Kassenleistungen, Leitlinien und Behandlungsempfehlungen können sich ändern — bitte sprechen Sie Ihren konkreten Fall in der individuellen Beratung mit uns durch.

Dr. Alex Dumitrescu

Geschrieben von

Dr. Alex Dumitrescu

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Düsseldorf. Spezialisiert auf Lipödem-Chirurgie, Körper & Konturierung, Brustchirurgie und Mommy Makeover. Mehr über Dr. Dumitrescu.

Quellen

Übersichtsarbeiten und Register

  • Ward JA, Calderbank T, Tang CC, et al. Estimating the Prevalence of Breast Implant-Associated Anaplastic Large-Cell Lymphoma: A Systematic Review. Plast Reconstr Surg 2025;155(4):660e-669e. doi.org/10.1097/PRS.0000000000011768
  • Kalstrup J, Mellemkjær L, Dreyer LW, et al. Incidence of lymphomas in a nationwide prospective cohort study of breast-implanted women. Breast 2026;88:104792. doi.org/10.1016/j.breast.2026.104792
  • de Boer M, van Leeuwen FE, Hauptmann M, et al. Breast Implants and the Risk of Anaplastic Large-Cell Lymphoma in the Breast. JAMA Oncol 2018;4(3):335-341. doi.org/10.1001/jamaoncol.2017.4510
  • Campanale A, Ventimiglia M, Alfo M, et al. Current Knowledge on Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma: Evidence from Italian Ministry of Health Registry Data. Aesthetic Plast Surg 2025;49(5):1304-1313. doi.org/10.1007/s00266-024-04426-y
  • Nelson JA, Dabic S, Mehrara BJ, et al. Breast Implant-associated Anaplastic Large Cell Lymphoma Incidence: Determining an Accurate Risk. Ann Surg 2020;272(3):403-409. doi.org/10.1097/SLA.0000000000004179
  • Stark B, Magnéli M, van Heijningen I, et al. Considerations on the Demography of BIA-ALCL in European Countries Based on an E(A)SAPS Survey. Aesthetic Plast Surg 2021;45(6):2639-2644. doi.org/10.1007/s00266-021-02411-3
  • Loch-Wilkinson A, Beath KJ, Magnusson MR, et al. Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma in Australia: A Longitudinal Study of Implant and Other Related Risk Factors. Aesthet Surg J 2020;40(8):838-846. doi.org/10.1093/asj/sjz333

Behandlung, Verlauf, Einzelfragen

  • Clemens MW, Medeiros LJ, Butler CE, et al. Complete Surgical Excision Is Essential for the Management of Patients With Breast Implant-Associated Anaplastic Large-Cell Lymphoma. J Clin Oncol 2016;34(2):160-168. doi.org/10.1200/JCO.2015.63.3412
  • Meeuwes FO, Brink M, van der Poel MWM, et al. Treatment and outcome of breast implant-associated anaplastic large cell lymphoma: a population-based cohort study in the Netherlands. Leuk Lymphoma 2025;66(11):2064-2070. doi.org/10.1080/10428194.2025.2530167
  • Clemens MW, Myckatyn TM, Di Napoli A, et al. American Association of Plastic Surgeons Consensus on Breast Implant-Associated Anaplastic Large-Cell Lymphoma. Plast Reconstr Surg 2024;154(3):473-483. doi.org/10.1097/PRS.0000000000011370
  • Sorotos M, Ahcan U, Athanasopoulos E, et al. 2024 EURAPS Expert Consensus on Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma. J Plast Reconstr Aesthet Surg 2025;110:269-290. doi.org/10.1016/j.bjps.2025.07.045
  • Ihrai T, Roosen A, Lanvin D, Giordano P. Rotation of microtextured anatomical breast implants: A retrospective series of 134 reconstructions. JPRAS Open 2026;51:657-663. doi.org/10.1016/j.jpra.2026.07.014
  • English R, Aguilar R, Kan Hwee Y, et al. A Rare Case of Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma (BIA-ALCL) in a Transgender Patient With Exclusive Smooth Implant Exposure. Cureus 2026;18(8):e115432. doi.org/10.7759/cureus.115432

Behörden und Gremien

  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Möglicher Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und der Entstehung eines anaplastischen großzelligen Lymphoms (ALCL), Update vom 23.06.2026. bfarm.de
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Brustimplantate aus Silikon: Allgemeine Hinweise und Risiken, Stand 23.06.2026. bfarm.de
  • Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA): Breast implants and anaplastic large cell lymphoma (ALCL), Daten bis 31.12.2024. gov.uk
  • Agence nationale de sécurité du médicament (ANSM): Analyse des cas de LAGC-AIM, November 2025. ansm.sante.fr
  • Agence nationale de sécurité du médicament (ANSM): Retrait du marché des implants mammaires macrotexturés et des implants mammaires à surface recouverte de polyuréthane, Stand 03.04.2026. ansm.sante.fr
  • Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM): Duiding Frans verbod op macrogetextureerde en polyurethaan gecoate borstimplantaten, 16.05.2019. rivm.nl
  • Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios (AEMPS): Nota informativa PS 9/2019, 04.04.2019. aemps.gob.es
  • Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios (AEMPS): Sexto informe de seguimiento del LACG asociado a implantes de mama, 03.06.2026. aemps.gob.es
  • Health Canada: BIA-ALCL, Canadian Surveillance 2025 Data, Stand 20.08.2026. health-infobase.canada.ca
  • Swissmedic: Aktualisierte Information zu BIA-ALCL, Stand 12/2024. swissmedic.ch
  • Therapeutic Goods Administration (TGA): Silimed medical devices (all, including breast implants). tga.gov.au
  • Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks (SCHEER): Final Opinion on the safety of breast implants in relation to anaplastic large cell lymphoma, 26.03.2021. health.ec.europa.eu
  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): Medical Device Reports of Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma, Daten bis 30.06.2024. fda.gov
  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): Questions and Answers about BIA-ALCL, Stand 23.10.2019. fda.gov
  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): UPDATE: Reports of Squamous Cell Carcinoma (SCC) in the Capsule Around Breast Implants, Safety Communication, 08.03.2023. fda.gov
  • International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS): Global Survey on Aesthetic/Cosmetic Procedures 2022 bis 2025. isaps.org

Stand dieser Information: Oktober 2026.

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